vorweihnachtliches dunkel. ganz finster.

spätherbst in salzburg (bernhard jenny)

die defektorientierte wahrnehmung von mitmenschen ist in der vorweihnachtszeit besonders beliebt. „licht ins dunkel“ feiert sich – neben ähnlichen trittbrettaktionen – wieder einmal selbst, da soll freude aufkommen, wenn die spenderInnen sich wohlfühleinheiten erkaufen. toll, wieviel licht wir wieder ins dunkel gebracht haben.

es geht nicht darum, dass eine unterstützung diverser projekte nicht wichtig wäre. aber menschen mit besonderen bedürfnissen und/oder beeinträchtigungen zu einer grossen masse von hilfsempfängerInnen zu machen, die angeblich im „dunkel“ sitzen, ist erniedrigend.

„mit einer spende können sie dafür sorgen, dass x oder y …“ – solche herangehensweisen teilen unsere welt in helfende und hilfsbedürftige, in jene die licht haben und jene, die im dunkeln sitzen.

dabei sitzen wir alle selbst oft genug im dunkeln. im dunkeln des konsumismus, im dunkeln des wachstums, im dunkeln der heilen welt. menschen, die die eine oder andere beeinträchtigung oder behinderung haben, dürfen niemals zu objekten, auch nicht von beglückungsaktionen werden, sie sind wert und licht in dieser welt wie wir alle.

es geht um die augenhöhe. gemeinsam an einem tisch sitzen und nicht auf die schulter klopfen, gemeinsam die gesellschaft gestalten, damit alle bekommen, was sie zu ihrem leben brauchen, menschen in ihrem vermögen und dasein anerkennen und nicht auf den defekt reduzieren.

aber zugegeben: medienwirksamer sind schön ausgestattete heimzimmer, supergefederte rollstühle und dankbare spendenempfängerInnen. weihnachten eben. wem das immer noch zu tragisch ist, der kann mit seiner spendenwut ja auf gnadenhöfe für tiere ausweichen.

das problem ist aber nicht, dass x oder y einen besonderen rollstuhl braucht, sondern, dass dieser rollstuhl nicht von uns selbstverständlich bereitgestellt wird. wir sollten spendenaktionen für banken haben und staatliche garantien für menschen.

eine ganze gesellschaft spendet nicht für jene, die ausgegrenzt werden,
eine ganze gesellschaft grenzt nicht aus.

das kostet viel mehr energie und änderungswillen als die grösste spende ins dunkel.
aber es wäre wirklich licht!

ps. mir ist bekannt, dass verschiedene kritische stimmen („nicht ins dunkel“) aufs schärfste verfolgt wurden, institutionen und vereine, die aus den mitteln von „licht ins dunkel“ gefördert werden, mussten die kritischen stimmen beruhigen um ihre subventionen nicht zu gefährden. daher erkläre ich ausdrücklich, dass ich zwar viele vereine kenne, aber diese meine meinung hier ausdrücklich als meine persönliche äussere, die auf niemanden zurückfallen darf.

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Über bernhardjenny

kommunikationsgestalter mein unternehmen: jennycolombo.com blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

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