leichtfertigkeit rächt sich – immerwieder

zugdererinnerung_ela07 (cc)

viele von uns haben es wirklich nicht für möglich gehalten, dass sich szenen, wie wir sie aus dem dritten reich kennen, wiederholen. nacht- und nebelaktionen, menschenjagd, familien, die auseinandergerissen werden, massenabschiebungen, repressive gewalt der exekutive. die liste ginge noch lange weiter.

wie kann es möglich sein, dass es wieder zu totalitären tendenzen kommt, die sprache über umvolkung, überfremdung und volkszerstörung hochkommt und wieder in andersgläubigen nur feinde der eigenen identität gesehen werden?

haben wir nicht gelernt? und warum nicht? weil in wirklichkeit nicht wirklich aufgeräumt wurde. nicht aufgearbeitet. „die ewig gestrigen“ haben wir sie vor 35, 40 jahren genannt, (ich bin jahrgang 1956, anm.) „die sterben eh von selber aus“ haben wir oft genug gehört. oft als argument, doch nicht unbedingt immer wieder weiterzubohren und nachzufragen, nicht der sache auf den grund zu gehen, nicht wirklich aufzuklären. viele von uns dachten offensichtlich wirklich, die sache würde sich von selbst erledigen.

wie genau die mechanismen der vorgeschichte der shoa waren, haben viele analysiert, nur trotzdem viel zuwenige davon kenntnis genommen. viele wissen zwar, wie schnell damals der funke zum grössten brand der europäischen geschichte überspringen konnte.

aber wir sind offensichtlich nicht sensiblisiert. was nützt uns ein (ohnehin lückenhaftes) wissen über historische fakten, wenn wir uns nicht wirklich damit auseinandergesetzt haben, also eben die gefühle nicht entwickelt und kultiviert haben, die uns umgehend alarmieren sollten, wenn auch nur der keim einer wiederholung von rassismus und fremdenhass aufkommt?

die leichtfertigkeit von gestern, die uns eine innere sensibilisierung durch genaues hineinsehen in die mechanismen der geschichte unserer eltern und grosseltern erspart hat, rächt sich nun. wir sehen entsetzt zu, wie sich wieder die bilder wiederholen, die schon einmal ins verderben geführt haben. und wir erkennen wieder die stumpfen massen, die niemals gelernt haben, zu reflektieren und derart mit sich selbst beschäftigt sind, dass sie bereit sind, eiskalten wiederholungstäterInnen ihre stimmen zu geben.

die sprachlosigkeit jener, die eigentlich als moralische instanz gelten könnten, ist nicht nachzuvollziehen. wo bleibt das grosse, eindeutige stopp? sind denn alle nur mehr mit sich selbst beschäftigt?

nicht auszudenken, wenn wir jetzt nicht – im letzten moment – endlich die aufarbeitung und sensibiliserung schaffen. dann werden wieder nächste generationen fragen müssen, warum denn „damals“ niemand etwas unternommen hat.

das ist wirklich das makabre in diesen tagen. die von manchen von uns in der jugend gestellte frage an die früheren generationen, wie denn so etwas passieren konnte, haben wir zwar damals oft nicht wirklich beantwortet bekommen. wenn wir heute unser europa betrachten, dann ist das die späte antwort auf die frage, wie so etwas begonnen hat.

wir müssen uns aufraffen und aufstehen. nicht auf „die da oben“ warten. wir müssen endlich die drohenden zeichen der zeit erkennen und hoffen, dass uns nicht eine herannahende krise ins verderben stürzt. denn die reflexe krise, probleme, schuldzuweisung, deportation, feuer und mord gehen schnell. ganz schnell.

machen wir schluss mit dem albtraum.

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foto: ela07 (creative commons)

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Über bernhardjenny

kommunikationsgestalter mein unternehmen: jennycolombo.com blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

Ein Kommentar

  1. 1. Im 3. Reich wurden Menschen in Gaskammern abtransportiert.
    2. Armenien und der Kosovo sind keine Gaskammern.
    3. Abgeschoben wird wegen des Asylrecht. Menschen, die aus politischen, ethnischen oder religiösen Gründen in ihrem Heimatland verfolgt werden, bekommen in Österreich Asyl. Menschen, die in ihrem Heimatland nicht verfolgt werden, bekommen kein Asyl. Im dritten Reich bekam überhaupt gar niemand Asyl (außer vielleicht Amin al-Husseini).
    4. Totalitarismus ist eine diktatorische Form der Herrschaft, die in alle sozialen Bereiche einwirkt. Das ist in Österreich nicht der Fall.

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