es reicht. es reicht mit den drohungen, den mordfantasien, den orchestrierten hasskampagnen gegen journalist:innen, die nichts anderes tun, als ihren job – nämlich die realität abzubilden, einzuordnen und kritisch zu kommentieren. der fall dunja hayali ist nicht nur ein angriff auf eine einzelne frau, sondern ein angriff auf die pressefreiheit, auf unsere demokratie und auf jede:n, der oder die sich öffentlich äußert.
die taz berichtet, wie alles begann:
„wo soll das alles hinführen? im land der meinungsfreiheit, den usa, scheint es immer weniger möglich zu sein, andere meinungen auszuhalten oder dagegenzuhalten, ohne dass es eskaliert“, mit diesen worten hatte die journalistin und nachrichtenmoderatorin dunja hayali das zdf heute journal am vergangenen donnerstag eröffnet. (taz)
hayali kommentierte also nicht etwa den mord an charlie kirk zynisch oder hämisch, wie ihr später unterstellt wurde, sondern stellte ihn in einen kontext von zunehmender verrohung und intoleranz.
weiter heißt es in der taz:
„dass es nun gruppen gibt, die seinen tod feiern, ist mit nichts zu rechtfertigen, auch nicht mit seinen oftmals abscheulichen, rassistischen, sexistischen und menschenfeindlichen aussagen“, sagte hayali, nachdem der erste beitrag zu dem thema in der nachrichtensendung gespielt worden war. (taz)
deutlicher kann man es kaum machen: sie verurteilte sowohl die hetze des ermordeten als auch den zynismus über seinen tod. das ist journalistische redlichkeit. doch genau daraus bastelten rechte portale wie „nius“ eine hasskampagne.
die taz beschreibt:
„das rechte portal nius beispielsweise berichtete über hayalis moderation, schnitt im eingebetteten video jedoch ihre moderation zurecht und ließ den letzten satz weg, sodass nicht ersichtlich war, dass es sich um eine überleitung auf einen beitrag zu seiner anhängerschaft handelte. stattdessen warf nius hayali vor, kirk beschimpft zu haben und seine ermordung zu relativieren.“ (taz)
das ist kein versehen, das ist methode. es ist gezielte manipulation, um empörung und wut zu schüren. und genau das geschah:
„‚hoffentlich erschießt dich einer, du miese dreckslesbe!‘, lautete ein kommentar. und andere: ‚diese frau ist 1000 mal bösartiger und schlimmer als joseph goebbels‘, ‚ich wünsche dir den tod‘, ‚du bist ein stück scheiße sondergleichen und die drohungen sind völlig gerechtfertigt!‘, oder ‚sie werden bald für ihre äußerungen bitter bezahlen. sie haben nur das allerschlimmste verdient. schauen sie lieber ab jetzt öfter über ihre schulter‘.“ (taz)
das sind keine „meinungen“. das sind morddrohungen. wer so etwas schreibt, will einschüchtern, will zum schweigen bringen, will angst erzeugen. und er oder sie greift damit nicht nur dunja hayali an, sondern auch das fundament unserer demokratie: die pressefreiheit.
und was folgt? hayali zieht sich zurück.
„am sonntag veröffentlichte sie dann ein weiteres reel mit der botschaft: ‚aus gründen mal ein paar tage pause… danke für die anständigen, kritischen kommentare!‘“ (taz)
wer will es ihr verdenken? doch hier beginnt das problem: wenn jede:r, der sich der hetze entgegenstellt, irgendwann verstummt, bleibt am ende nur die stimme der hasser.
wir müssen uns klarmachen: dies ist kein digitaler kollateralschaden, sondern ein angriff auf unsere demokratische öffentlichkeit. es geht nicht nur um hayali. es geht um jede person, die ihre stimme erhebt.
die täter:innen wissen genau, was sie tun: sie nutzen das netz, um angst zu verbreiten. sie nutzen manipulation, um empörung zu lenken. sie nutzen drohungen, um journalist:innen und demokrat:innen einzuschüchtern.
und wir? wir dürfen nicht länger zuschauen.
jede drohung ist eine straftat. jede plattform, die solche drohungen duldet, macht sich mitschuldig. jede relativierung („das ist halt internet“) ist ein verrat an der demokratie.
es ist kein zufall, dass es wieder eine frau trifft. dass es eine journalistin mit migrationsgeschichte trifft. dass es eine queere stimme trifft. der hass folgt einem muster: diejenigen, die ohnehin diskriminierung erfahren, werden gezielt attackiert, um sie endgültig mundtot zu machen.
darum dürfen wir nicht schweigen. wir müssen solidarisch sein – mit dunja hayali, mit allen, die bedroht werden, mit allen, die trotzdem weitermachen.
denn die frage, die hayali selbst in ihrer moderation stellte, bleibt im raum:
„wo soll das alles hinführen?“
die antwort muss lauten: nicht dorthin, wo die hasser:innen uns haben wollen. nicht ins schweigen. nicht in die angst. sondern ins laute, klare, solidarische „nein“ zu jeder drohung, jedem angriff, jeder einschüchterung.
wer journalist:innen bedroht, bedroht unsere demokratie.
volle solidarität mit dunja hayali! lasst uns lauter sein als die hasser!
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bild: Sven Mandel, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.