eine sichtbare antwort auf das unsichtbare

wie geht seuche, wie geht pest? so könnte ein teaser-text zur ankündigung einer spannenden theaterproduktion in der ARGEkultur lauten. wie geht seuche, wie geht pest? was passiert, wenn ausnahmezustand, bedrohung und höchst unterschiedlicher umgang mit der gefahr plötzlich den alltag in geiselhaft nehmen?

das jahr 2020 hat uns diese fragen nicht nur aufgedrängt, es wurde nicht nur ein reality-simulations-theater daraus, die fragen wurden wirklichkeit. da steht dann alles auf dem kopf, da gilt von einem tag auf den anderen nähe als bedrohung und distanz wird zur lebensrettung. da wird keine bühne mehr bespielt und kein publikum mehr eingelassen, die bedrohung ist unsichtbar und dennoch, gestorben wird wirklich, long covid ist bittere wahrheit und plötzlich sind wir uneins, was zumutung und was notwendigkeit ist.

künstlerische prozesse suchen auch in „normalen“ zeiten – ob mit musik, tanz, lesung, diskurs, performance oder theater – nach der sinnlichen begreifbarkeit des unsichtbaren, des unausgesprochenen, des verdrängten. wenn dann aber die künstlerischen prozesse selbst nicht mehr oder nur mehr ganz anders stattfinden können, dann bedeutet das herausforderung für alle.

in einer solchen situation, mit lockdowns, öffnungen, halböffnungen und halblockdowns wäre es nur allzu verständlich, irgendwann die nerven zu verlieren. doch der gemeinschaft des ARGEkultur-teams ist es gelungen, große anstrengungen auf sich zu nehmen und neue fähigkeiten zu entwickeln, um gerade in der zeit einer pandemie zu zeigen, dass nicht alles (wie gewohnt), aber manches (anders) geht. 

alle, die das leben der ARGEkultur schätzen, konnten erfahren, dass sie nicht von der bildfläche verschwindet, ganz im gegenteil. selten war es so deutlich wie in diesem jahr zu spüren, wie „still alive“ die ARGEkultur blieb, wie eng die community verbunden ist, wie viele menschen hier einen wesentlichen ankerpunkt haben und dieses haus als wesentlichen ort für sich betrachten. nicht zufällig wurde auch der salzburger kulturplakatpreis einer aufsehenerregenden „still (but) alive“-plakatkampagne zugesprochen: thx to annette rollny / fokus design! 

alle auf diesem erdball vorhandenen – und jetzt so viel besprochenen – sars-2-viren würden in eine einzige dose passen. unsichtbarer geht es kaum. die bedrohung blieb unsichtbar, die antworten darauf wurden sichtbar: der verantwortliche umgang in pandemischen zeiten bedeutete nicht nur erhebliche umstellungsprozesse, völlig neue handlungsregeln und -abläufe mussten erarbeitet, verinnerlicht und umgesetzt werden. nichts war mehr normal, alles war anders. und alles bleibt anders.

all das, was 2020 dennoch möglich war, ob in tatsächlichen veranstaltungen mit anwesendem publikum oder auch in neuen online-formaten, ist ergebnis einer gemeinsamen anstrengung, der unsichtbarkeit eine sichtbarkeit entgegenzusetzen. daraus wurde ein erfolgserlebnis, ein gemeinsames entdecken von neuem, ein ermutigendes zeichen.

das „kleine jubiläum“, die ARGEkultur seit 15 jahren im neuen haus, wurde aufgrund der gesamtsituation in diesem jahr etwas in den hintergrund gerückt. gebührend würdigen werden wir, wenn auch anders, nun 2021 jedenfalls das „große jubiläum“: 40 Jahre ARGEkultur.

dass selbst in so schwierigen zeiten eine auf betreiben einer hier nicht näher zu nennenden partei durchgeführte prüfung durch das kontrollamt der stadt salzburg zur uneingeschränkten bestätigung für die seriöse und professionelle gebahrung unter der verantwortung der kaufmännischen geschäftsführerin daniela gmachl wurde, darf als mehr denn nur ein erfolg betrachtet werden. der versuch, ein unabhängiges kulturzentrum mit aus der luft gegriffenen vorwürfen anzupatzen, ist gescheitert und erbrachte ein sehr erfreuliches ergebnis.

dank den beiden geschäftsführer*innen, daniela gmachl und sebastian linz, sowie dem engagierten team der ARGEkultur, die gemeinsam ohne planungssicherheit und ohne skript wohl immer wieder das bestmögliche aus der sich ständig ändernden situation geschaffen haben. das war wohl die mit abstand beste strahlkraft, die ein kulturzentrum entwickeln konnte:

eine sichtbare antwort auf das unsichtbare.

der vorstand

alice krenn, bernhard jenny, claudia seiser, mark schneider, sabine stadler

der gesamte tätigkeitsbericht 2020 hier zum download
cover © annette rollny

Autor: bernhardjenny

kommunikationsgestalter meine unternehmen: jennycolombo.com, conSalis.at blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

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