europa versinkt im krieg – wir haben zeit

bank of ireland (foto: UggBoyUggGirl creative commons)

weder bomben noch raketen. prozentpunkte sind die waffen – in einem krieg, einem angriffskrieg, den spekulanten und rating-agenturen gegen staaten, deren infrastruktur und sozialsysteme führen.

scheinbar gewaltlos, in wirklichkeit aber ganze bevölkerungsschichten vergewaltigend. lebenschancen, zukunftsperspektiven, gesundheitsversorgung, krankenpflege, altenbetreuung, bildung und arbeitsplatz heissen die tausenden gefallenen in diesem krieg. verblüffend konventionell die vorgangsweise: länderweise erfolgen die angriffe, griechenland, irland, jetzt portugal, spanien, dann italien und so weiter.

kein verteidigungsministerium und auch sonst keine politik hilft in diesem krieg, solange es sich die europäerInnen so geduldig gefallen lassen.

antriebsfeder in diesem krieg ist die gleiche, wie in allen kriegen: die gier nach macht und geld, nach der ewigen maximierung aller spekulationsgewinne, selbst wenn es nicht einmal mehr luftblasen sind, die als reale geschäftsgrundlage gelten könnten. die toten dieses krieges sind kollateralschäden, die nach neoliberaler logik jeweils selbst für ihr schicksal verantwortlich sind.

wie wäre es, wenn wir nicht banken und spekulanten mittels “rettungsschirm” im höllentempo mit unser aller geld stopfen, sondern wenn wir den menschen europas mittels solcher schirme ein entsprechendes dasein sichern, unabhängig davon, ob es die eine oder andere bank noch gibt? zählen die institute oder die menschen?

“veränderungen passieren immer erst bei entsprechendem leidensdruck”, erklärte mir kürzlich ein befreundeter, oft pessimistisch gestimmter psychotherapeut.

heisst wohl, erst wenn es genügend verkehrstote gibt, wird eine ampel gebaut, erst wenn es genügend zwischenfälle gibt, werden sicherheitsstandards in betrieben eingeführt.

für europa heisst das dann wohl: erst wenn es genügend zerstörte lebenschancen, bildungseinrichtunen und sozialsysteme gibt, also wenn richtig viel not herrscht, erst dann wird der krieg der spekulanten enden, erst dann wird eine neuordnung möglich sein.

bedauerlich, dass wir das abwarten müssen.
noch bedauerlicher, wenn wir dann nicht vorbereitet sein werden, welche neue ordnung wir haben wollen.
zumindest darüber sollten wir schon mal nachdenken.

_________
bild: UggBoyUggGirl (creative commons)

dieser beitrag wurde gestern auf nonapartofthegame.eu veröffentlicht. dort erscheinende artikel werden hier in diesem blog jeweils mit ca. 24 stunden verzögerung dokumentiert, sie erscheinen hier in der kathegorie nonapartofthegame. dieser artikel ist auch unter folgender adresse erreichbar:
http://nonapartofthegame.eu/?p=1965

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Über bernhardjenny

kommunikationsgestalter mein unternehmen: jennycolombo.com blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

5 Kommentare

  1. Naja, das ganze ist halt nur nit ganz so einfach….

    Denn ohne Banken auch keine funktionierende Realwirtschaft. Also STIMMTS leider dass ohne Rettung der Banken es bergab geht mit der Wirtschaft.

    Daher => Die Zusammenhänge des derzeitigen Wirtschaftssystem analysieren, diskutieren und daraus Schlüsse ziehen (=sich wehren).

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  2. alex

    Bernhard schrieb: „die toten dieses krieges sind kollateralschäden, die nach neoliberaler logik jeweils selbst für ihr schicksal verantwortlich sind.“

    die folgende Headline mag einfach nur der blühenden Phantsasie meines Hirns entsprungen sein: „Kein Krampus mehr im Kindergarten – neues Opfer der Bankenkrise“, aber Angesichts ganz intensiver Sparbemühungen wird scheinbar wirklich bei jedem gespart. Auch wenn es für den deutschsprachigen Raum einen solchen Traditionsbruch nicht geben wird, in Irland oder Griechenland wird solch ein Szenario noch weitaus näher an der Realität dran sein.

    * * *

    Bernhard schrieb: „heisst wohl, erst wenn es genügend verkehrstote gibt, wird eine ampel gebaut, erst wenn es genügend zwischenfälle gibt, werden sicherheitsstandards in betrieben eingeführt.“

    Über meine kürzlichen Erfahrungen mit Verkehrsmassnahmen könnte ich hier schreiben, oder über meine Erfahrungen von vor ca. 1 Jahr rund um einen für Behinderte eher unfreundlichen Aufzug. Vorläufiges Fazit – der Gute Wille wird immer wieder gerne bekundet, doch scheints dass selbst mit sehr wohl überlegten Sach-Argumenten häufig einfach nichts zu erreichen ist.

    Irgendwo steckt immer ein Quäntchen „geht leider nicht“ drin, nur es ist in seinem Ursprung so schwer zu fassen, dass am Ende keiner weiss wo es her kam. Ein innerer Schweinehund wohnt allem inne, und dazu wohl auch noch, dass es leichter ist mit tausend Worten eine Sache los zu werden als sie mit 30 Worten wahr werden zu lassen. Ja und vielleicht ist da noch etwas, das alle irgendwie lieben, es sich aber niemals so recht öffentlich eingestehen wollen – ich meine den Hang und den Drang zum Geld, es zu horten und zu pflege, es zu mehren und den daraus erwachsenden Reichtum weiterhin zu verteidigen, so dass selbst Peanuts in einem Milliarden-Haushalt nicht den Weg zu ihrer Umsetzung in Dingen finden, die den Menschen dienen.

    So haben wir nun einen Banken-Sektor, der privat war und seinen Spekulanten Boni in Masse ausgelobt hat wenn diese in den Aktienmärkten gehandelt haben und dort außergewöhnliche Geschäfts-Gewinne heraus geholt haben. Nun haben wir eine größere öffentliche Beteiligung und alles ist – oh Wunder – einfach nur beim Alten geblieben. Damit die auch weiterhin vorhandenen und zum Teil auch sicher unverzichtbaren Broker weiterhin gewinnbringende Entscheidungen beim An- und Verkauf sowie den ganzen davon abgeleiteten Aktivitäten entfalten gibts auch weiter Boni, vielleicht nicht ganz so fett wie zuvor, aber doch sicher nicht klein im Vergleich zu den Menschen in der normalen Arbeitswelt. Alles beim Alten – das System wurde von keinem geschaffen, und es wurde auch nicht wirklich geändert – es ist einfach da, weil es sich von selbst so entwickelt hat. Und es scheint, dass keiner der Mächtigen auf der Welt wirklich etwas dafür tut dieses System unter Zügel zu nehmen, es zu steuern und dort zu begrenzen wo es für die Gesellschaft wie wir sie kennen und schätzen zur existenziellen Gefahr wird.

    Rettet den Krampus – Sorgt für eine gesunde Weltfinanz!

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  3. Herbert N. Anderson

    Dem ist nichts hinzuzufügen!

    Damit aber künftiges Bankensterben nicht im vollständigen Chaos endet, wären einige wichtige Vorbereitungen zu tätigen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

    1. Gründung von gemeinwirtschaftlichen/gemeinnützigen Banken, die unter klaren gesetzlichen Bedingungen und ausreichender Kontrolle stehen.

    2. Ähnlich gemeinnütziger Wohnbaugesellschaften haben diese Banken das Ziel ausgeglichen zu bilanzieren und dürfen nur in einem geringen Ausmaß Gewinn erwirtschaften. Jede Art von Spekulation ist verboten.

    3. Rücknahme des Haftungsrahmens für alle anderen Banken auf 10000,00 Euro, wobei für die og. Banken per se eine unbegrenzte Haftung existiert.

    4. Beschluss eines eigenen Konkursrechtes für Banken und andere Finanzinstitute.

    5. Ausbau des Insolvenzentgeltsicherungsfonds damit dieser nicht nur die Ansprüche der Angestellten der Institute abdecken kann, sondern auch in Form einer Kreditgewährung an die jeweiligen Arbeitgeber, sollten diese durch die Insolvenz der Bank nicht mehr in der Lage sein, die Löhne auszubezahlen.

    Zumindest diese Punkte wären notwendig, damit der Zahlungsverkehr aufrecht erhalten werden kann und wir bzw. der Staat sich die Insolvenz auch systemrelevanter Banken leisten kann.

    Bleibt noch die Frage, wie bringen wir die vorwiegend neoliberal orientierten Regierungen in Europa dazu, dies wenigstens einmal anzudenken?

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  4. Rochus Gratzfeld

    globalisierte welt auf der einen – eine neue staatenegozentrik auf der anderen seite. dazwischen wird eine immer weiter und schneller wachsende mehrheit der bevölkerung einer zunächst noch relativen verarmung entgegengetrieben. sozialstaatliche errungenschaften des letzten jahrhunderts werden zugunsten von gewinnmaximierung und machterhalt auf dem altar des neoliberalen kapitalismus geopfert. schlupflöcher gibt es auf der ganzen welt. werden mehr werden, wenn nicht global entgegengesteuert wird.für steuerflüchtlinge. für niedriglohn-produzentInnen. für spitzenverdienerInnen. erst wenn die masse der menschen sich als soziale gemeinschaft begreift, wenn sie den mut aufbringt, durch aktionen und verweigerungen, z.b. streiks, den regierungen die gelbrote karte zu zeigen, erst dann wird langsam aber sicher etwas passieren. dazu müssen aber auch innerhalb der breiten masse egoismen überwunden werden. eins jedenfalls daf nicht passieren: die rückkehr vermeintlich „starker führer“ in einer zeit abgewirtschafteter volksparteien.

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